Biedenkopf. Wie erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Hochschule, beruflicher Bildung und Förderschule gelingen kann, zeigt eine besondere Kooperation zwischen den Beruflichen Schulen Biedenkopf, dem Lebenshilfewerk und der Justus-Liebig-Universität (JLU). Im Mittelpunkt stehen die Entwicklung und der Bau praxisnaher Lernträger, die von Lehramtsstudierenden der JLU geplant und gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Lebenshilfewerks umgesetzt werden.
Zu Beginn des Projekts präsentieren die Studierenden ihre Konzepte den Lehrkräften der Beruflichen Schulen Biedenkopf. Diese prüfen die Entwürfe hinsichtlich ihrer pädagogischen Eignung, ihrer technischen Machbarkeit und ihrer praktischen Verwendbarkeit im Unterricht. Durch ihre langjährige Erfahrung geben die Lehrkräfte wertvolle Anregungen zur Konstruktion, Materialauswahl und Umsetzung.
Anschließend fertigen die Studierenden die Lernträger in den Werkstätten der Beruflichen Schulen Biedenkopf. Die moderne technische Ausstattung der Schule ermöglicht es, die theoretischen Planungen unter realen Bedingungen umzusetzen und weiterzuentwickeln.
Ein besonderer Schwerpunkt der Kooperation liegt auf der gelebten Inklusion. Gemeinsam mit den Lehramtsstudierenden und den Lehrkräften fertigen Schülerinnen und Schüler des Lebenshilfewerks die entwickelten Lernträger und nehmen sie in Betrieb. Dabei arbeiten alle Beteiligten Hand in Hand und profitieren voneinander.
„Diese Kooperation zeigt eindrucksvoll, wie gewinnbringend die Zusammenarbeit unterschiedlicher Bildungseinrichtungen sein kann. Unsere Lehrkräfte bringen ihre langjährige praktische Erfahrung ein, während die Studierenden neue Ideen und wissenschaftliche Perspektiven mitbringen. Gleichzeitig erhalten sie wertvolle Einblicke in den Schulalltag und die berufliche Bildung“, betont Schulleiter Holger Leinweber von den Beruflichen Schulen Biedenkopf.
Auch für die Lehramtsstudierenden bietet das Projekt einen besonderen Mehrwert. Sie sammeln frühzeitig Erfahrungen im Umgang mit Schülerinnen und Schülern, lernen unterschiedliche Lernvoraussetzungen kennen und erleben den Weg von der ersten Projektidee bis zum fertigen Lernträger.
„Für angehende Lehrkräfte ist es von großer Bedeutung, bereits während des Studiums praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Zusammenarbeit mit den Beruflichen Schulen Biedenkopf und dem Lebenshilfewerk ermöglicht es unseren Studierenden, ihre Konzepte in der Praxis zu erproben und gleichzeitig wertvolle pädagogische Erfahrungen zu sammeln. Besonders die inklusive Zusammenarbeit schafft Lerngelegenheiten, die im Hochschulalltag so nicht möglich wären“, erklärt JLU-Dozentin Dr. Tatjana Hocker.
Für die Schülerinnen und Schüler des Lebenshilfewerks bedeutet die Mitarbeit an den Projekten weit mehr als die reine technische Umsetzung. Sie werden aktiv in die Entwicklungs- und Bauprozesse eingebunden, erleben Selbstwirksamkeit und arbeiten gemeinsam mit Studierenden und Lehrkräften an konkreten Aufgabenstellungen. Dadurch wird Inklusion nicht nur vermittelt, sondern unmittelbar gelebt.
Die Kooperation verdeutlicht, wie Hochschule, Berufliche Schule und der Verein Lebenshilfe voneinander profitieren können. Während die Beruflichen Schulen Biedenkopf ihre Expertise und technische Infrastruktur einbringen, gewinnen die Studierenden wertvolle Praxiserfahrungen und erste Einblicke in ihre zukünftige Tätigkeit als Lehrkräfte. Gleichzeitig erfahren die Schülerinnen und Schüler des Lebenshilfewerks Teilhabe durch gemeinsames Lernen und Arbeiten auf Augenhöhe.
So entsteht eine Partnerschaft, die Bildung, Praxis und Inklusion miteinander verbindet und einen nachhaltigen Mehrwert für alle Beteiligten schafft.